Fotoquelle: www.karl-schubert-schule.at

Wer war eigentlich Rudolf Steiner?

Wir kennen ihn als den Begründer der Waldorfschule und der Anthroposophie. Doch welche Meilensteine gab es auf seinem Lebensweg? Und wie kam es dazu, dass er die Waldorfschule gründete? Wir wollen in diesem Artikel in der Zeit zurückkehren und seinen Spuren folgen.

Wir befinden uns im Jahr 1861 in Kraljevic (das zu jener Zeit dem Kaisertum Österreich angehörte; heute liegt Donji Kraljevec in Kroatien), als Rudolf Steiner, das älteste von drei Kindern, das Licht der Welt erblickt. Seine Eltern, die Waldviertler Franziska und Johann Steiner, nehmen ihn liebevoll auf. Es soll eine lebenslange liebevolle Verbundheit daraus entstehen.

So viele Fragen und noch keine Antworten

Steiners Kindheit war von einigen Umzügen geprägt. Er lebte mit seiner Familie in Mödling, in Pottschach und in Neudörfl, wo er die örtliche Dorfschule und anschließend das Realgymnasium in Wiener Neustadt besuchte. Schon in seiner Kindheit machte Steiner erschütternde, übersinnliche und aufwühlende Erfahrungen. Als er Ministrant wurde, kam es zu häufigen Begegnungen mit benachbarten Mönchen, welche Anlass zu drängenden Fragen wurden. Was war die Aufgabe dieser Mönche? Sicherlich müssten es ganz wichtige Dinge sein, die im Zusammenhang mit den diesen Mönchen standen; davon war der damals Neunjährige überzeugt. Im Geschichtsunterricht war Steiner außerordentlich fasziniert von Kants „Kritik der reinen Vernunft“. All das führte ihn dazu, schon als Kind Fragen an und über das Leben zu stellen. In frühen Jahren wurde diese etwa als Aberglaube von den Erwachsenen abgetan. Antworten bleiben also vorerst aus.

Wien, Weimar

Ab 1879 begann Steiner an der Technischen Hochschule in Wien Biologie, Chemie, Physik und Mathematik zu studieren. Um sich sein Studium zu finanzieren, unterrichtete er von 1884 bis 1890 als Privatlehrer ein an Hydrozephalus erkranktes Kind in der prominenten Wiener Familie Specht. Dieses Kind, Otto Specht, konnte daraufhin in ein Gymnasium wechseln, anschließend Medizin studieren und wurde Facharzt für Dermatologie.

Während der Wiener Studienzeit kamen in ihm Frage nach dem Zusammenhang von Geist, Seele und Leib auf.

Ab 1890 wurde Rudolf Steiner am Goethe-und-Schiller-Archiv in Weimar zum Herausgeber der „Sophien-Ausgabe“, einer Sammlung naturwissenschaftlicher Schriften von Goethe. So kam es, dass er die Technische Hochschule Wien ohne Abschluss verließ und 1891 in Rostock promovierte. In Weimar knüpfte er viele wichtig Kontakte, etwa mit seiner späteren Frau Anna Eunike, sowie Personen, mit denen er später zusammenarbeiten würde. Darunter etwa Nietsches Schwester Elisabeth. 1894 veröffentlichte Steiner sein erkenntnismethodologisches Grundlagenwerk.

Berlin, Dornach

Nach dieser Zeit in Weimar, lebte Steiner einige Jahre in Berlin, wo er das „Magazin für Literatur“ herausgab, an einer Arbeiterbildungsschule unterrichtete und zahlreiche Werke verfasste und veröffentlichte. 1911 gründete er die „Anthroposophische Gesellschaft“. Diese erfreute sich vieler Mitglieder aus dem In- und Ausland und wuchs rasch an. So begann 1913 in Dornach der Bau des ersten Goetheanums. Es sollte als Theater- und Verwaltungsgebäude für die jährlichen Treffen der „Anthroposophischen Gesellschaft“ dienen. Das charakteristische Gebäude am Dornacher Hügel wurde von Steiner persönlich entworfen.

Die erste Waldorfschule

1919 organisierte Rudolf Steiner in Zusammenarbeit mit dem Inhaber der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart allgemeinbildende Kurse für die Mitarbeiter dieser Fabrik. Das Bestreben der Kurse war es, moderne, verzweigte Arbeitsvorgänge für die Arbeiter durch eine Betriebskunde überschaubar und klar verständlich zu machen. Die Kurse kamen bei den Arbeitern so gut an, dass sich diese solch einen Unterricht auch für ihre Kinder wünschten. Das veranlasste  Steiner in Vortragsreihen und Lehrerbildungskursen eine neue Erziehungskunst zu entwickeln – Die Waldorfpädagogik, benannt nach der Zigarettenfabrik. Diese hat er genau auf die Entwicklungsstufen, geistige Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder auf ihrem Weg zum Erwachsen-werden abgestimmt. Im Jahr 1920 wurde die Stuttgarter Waldorfschule unter Zusammenarbeit mit dem Sprachwissenschaftler Karl Schubert durch einen heilpädagogischen Kurs erweitert.

Unermüdlich

Fotoquelle: www.antrowiki.at

Steiner war ein unermüdlicher Schaffer. Heute zeugen nicht nur die 1149 Waldorfschulen weltweit, sondern auch sein imposantes schriftliches Werk, das er hinterlassen hat von seinen Taten. Weitere Themen, die Steiner in seinem Leben beschäftigt und begleitet haben sind etwa die anthroposophisch erweiterte Medizin, die Musik, die Eurythmie, die Naturwissenschaften, die Christengemeinschaft und vor allem die soziale Dreigliederung.

Rudolf Steiner, der Anthroposophe, Goethe-Forscher, Philosoph und Geistesforscher, der durch die Anthroposophie einen neuen, zukunftsweisenden, wissenschaftlichen Zugang zur geistigen Welt eröffnete, starb am 30. März 1925 in Dornach bei Basel.

 

Ich muss dem Schicksal dafür dankbar sein, dass es mich in ein solches Lebensverhältnis gebracht hat. Denn ich erwarb mir dadurch auf lebendige Art eine Erkenntnis der Menschenwesenheit, von der ich glaube, dass sie so lebendig auf einem anderen Wege von mir nicht erworben hätte werden können.

– Rudolf Steiner, in: „Mein Lebensgang“

 

Quellen:

www.anthrowiki.at

www.karl-schubert-schule.at

 

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